Meme Wars
← Zum Inhalt

Kapitel Elf

Weapons of Mass Entertainment

Im Frühjahr 2026 schauten vier verschiedene Beobachter auf dasselbe Ding und kamen zur selben Schlussfolgerung.

Die erste war Renée DiResta, eine Forscherin, die seit Jahren untersucht, wie Informationsoperationen funktionieren — sie schrieb im März in Time. Ihr Rahmen: im aktuellen Konflikt „begegnen Menschen dem Krieg zuerst als Content, und erst später, wenn überhaupt, als Nachricht." Nicht umgekehrt. Content zuerst. Der Krieg passiert im Feed, bevor er in der Welt passiert. Wenn man dem Bericht eines Journalisten über einen Angriff begegnet, wurde man schon — durch Memes, Clips, Kommentar-Threads, Repost-Ketten — zu einem Leser geformt, der diesen Bericht durch einen Rahmen liest, den man vom Content empfangen hat. Der Journalismus liegt downstream vom Meme.

Der zweite war ein Journal-Aufsatz. Das Oxford Journal of Digital Conflict veröffentlichte im Februar 2026 den ersten peer-reviewten Versuch, zu beschreiben, was im Iran-US-Konflikt aus der Perspektive von Informationsoperationen passierte. Ihr Begriff: partizipatorische Propaganda im Maßstab. Ihre These: dass KI-Tools die Produktionskosten von Propaganda auf Staatsniveau so weit komprimiert hatten, dass unabhängige Akteure — nicht nur Regierungen — sie produzieren konnten, und dass die Unterscheidung zwischen Staatspropaganda und organischem Content daher operativ bedeutungslos geworden war.

Hier geht's weiter.

Dreizehn Kapitel, DE und EN, Web-Reader und PDF — ein Preis, kein Account, kein DRM.

Jetzt entsperren · €12